45 Tage im Dschungel der Kreativität

Elisa Rinne

Elisa Rinne | 15.04.2016

Tag 0: wohin mit mir?

Groß, klein, mittel? – das war die Frage, die mich zu Beginn meiner Suche nach einem Praktikumsplatz in einer Werbeagentur am meisten beschäftigte. Ein großer Name in Hamburg, bei dem es schlimmstenfalls nicht über das Kaffeekochen hinaus kommen würde oder doch eine kleine Zwei-Mann-Agentur im alternativen Viertel der Stadt?

Aus dem Bauch heraus entschied ich mich dafür, es in meiner derzeitigen Wahlheimat Leipzig zu versuchen. Die aufstrebende bunte Stadt muss vor kreativen Agenturen doch nur so strotzen. Doch wirklich groß war die Auswahl dann nicht: In Leipzig gibt es vor allem kleinere Agenturen und Freelancer. Nach vielen Bewerbungen fiel meine Wahl letzten Endes auf die Agentur ORIGO, mit neun festen Mitarbeitern eine eher kleine und recht junge Agentur, die aber dennoch crossmediale Kampagnen für bekannte Kunden plant und realisiert.

Tag 1: die To-Do

Die Agentur sitzt im Leipziger Zentrum in einem von außen relativ unscheinbaren, modernisierten Bürogebäude in einem ehemaligen Handelshaus. Beim Betreten der Agentur merkte ich sofort, dass hier designbewusste Kreative am Werk sind: Statt Wände gibt es hauptsächlich deckenhohe Glastüren, die Einrichtung ist schlicht elegant und das ORIGO-Design spiegelt sich in einzelnen Details wider. Mein Schreibtisch befand sich im „Büro“ der Grafiker, sofern man das bei den offen gestalteten Räumen sagen kann.
Bereits vom ersten Tag an wurde ich in die alltäglichen Abläufe bei ORIGO integriert. Das bedeutete vor allem: Jeden Morgen saßen wir zusammen. Mit dem ersten, zweiten oder zehnten Kaffee in der Hand wurden dabei die aktuellen Aufträge und derzeitigen Stände bei den jeweiligen Projekten besprochen. Während die mit Kunden und Aufträgen vollbepackte To-Do-Liste am ersten Tag für mich aussah, wie eine Hieroglyphen-Schrift mit zahlreichen Begriffen und Abkürzungen, ergaben die Zeilen im Laufe der Woche immer mehr Sinn. Gebannt verfolgte ich, wie sich Aufträge weiterentwickelten und im Laufe der Wochen durch die verschiedenen Stationen der Agentur wanderten: von Beratung und Angebot über Strategie und Text bis hin zu Grafik und Anpassung.

Tag 2 bis 45: die Arbeit

Obwohl mein Arbeitsplatz im Büro der Grafikdesigner war, habe ich zunächst vor allem im Bereich Kontakt und Beratung mitgewirkt. Die Recherche potentieller Neukunden im Rahmen unserer Kundenakquise, kreative Mailings an langjährige Bestandskunden wie SACHSENLOTTO und die Sparkasse Leipzig oder der Kontakt zu Druckereien und Dienstleistern gehörten dabei zu meinen Aufgaben.

Generell waren meine Aufgaben aber bunt gemischt. Immer mal wieder wurden mir kleinere Kreativaufgaben zugeteilt – von anlassbezogenen Headlines für den großen Kunden LMX Touristik über Brainstorming zu neuen Kampagnen bis hin zur Bildrecherche für Anzeigen und Plakate. Oft konnte ich dabei an den internen strategischen Meetings zu neuen und laufenden Projekten teilnehmen und sogar bei einem Jour Fixe mit dem langjährigen Kunden FAIRNET dabei sein.

Freie Spitzen kompensierte ich mit diversen Photoshop- und InDesign-Tutorials, sodass ich nach einigen Wochen auch für die Grafik kleine Aufgaben, zum Beispiel Anzeigenmontagen oder Bildretusche, bearbeiten konnte.

Recht schnell – und ich denke vor allem wegen der vielfältigen mir zugeteilten Aufgaben – wurde mir bewusst, wie verzahnt die einzelnen Bereiche einer Werbeagentur sind und wie viel effektiver es ist, wenn Strategie, Text und Design aktiv und konstruktiv kommunizieren anstatt sich über mehrere Etagen verteilt mit Telefonaten und E-Mail zu vernetzen. Zwar wird auch bei ORIGO im Büro nebenan angerufen, aber die jeweilig Zuständigen und die Geschäftsführerinnen saßen oft gemeinsam an einem Tisch oder vor einem Bildschirm, um Jobs zu perfektionieren – selten war eine der Glastüren geschlossen.

Je länger ich bei ORIGO war, umso dankbarer war ich dafür, mich für eine etwas kleinere Agentur entschieden zu haben. Nur so wurde mir diese Verzahnung so offensichtlich und nur so wurde es mir ermöglicht, an jedem einzelnen Rädchen aktiv mitzuwirken.

Tag 45: eine gute Entscheidung

Groß, klein, mittel? – klein war für mich in diesem Fall die richtige Wahl. Denn „klein“ bedeutet nicht gleich kleine Kunden oder gar kleine Lösungen, sondern viel mehr ehrliche und gute Kommunikationsansätze – weit entfernt von der heute omnipräsenten „Fließband-Werbung“. Gute Ideen sind eben keine Frage der Größe oder des Standortes, sondern der Leidenschaft, mit der die kreativen Köpfe zur Sache gehen. Was mir dabei besonders aufgefallen ist: Kommunikation wird bei ORIGO nicht nur vermarktet, sondern auch intern groß geschrieben.

Rückblickend kann ich also sagen: Ich würde alles nochmal genauso machen. Und obwohl ich mein nächstes Praktikum der Perspektive halber wohl in einer etwas größeren Agentur absolvieren werde, war der Einstieg bei ORIGO perfekt und ich bin mir sicher, dass ich auf lange Sicht in einer Agentur dieser Art ankommen werde.

Ich bin dankbar für die Erfahrungen und Einblicke, die mir durch ORIGO ermöglicht wurden. Aber vor allem bin ich dankbar dafür, dass ich nun endlich weiß, wohin mit mir.


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