MARKETING-FLIPPER UND DIE KUNST, SICH TREU ZU BLEIBEN

Marie-Louise Schenk

Marie-Louise Schenk | 24.06.2015

Digitales Marketing, überfütterte Märkte und Zielgruppen, die sich längst nicht mehr in einheitliche Schubladen stecken lassen – Marketingleute und vor allem Werbeagenturen stehen regelmäßig vor der Herausforderung, sich den Auswirkungen der Digitalisierung auf das Verbraucherverhalten anzupassen. Und dabei dürfen sie eines nicht vergessen – ihrer Linie dennoch treu zu bleiben.

Das renommierte Wirtschaftsmagazin brand eins widmete Anfang des Jahres sogar eine ganze Ausgabe (02/2015) genau diesem Schwerpunkt. Auch oder gerade weil es für die Marketingbranche in einem Umfeld veränderter Verbrauchergewohnheiten aktueller denn je ist, unkonventionelle Strategien zu entwickeln.

Konservative Kundenansprache war gestern

Vor ein paar Jahren war die Zielgruppe für bestimmte Produkte und Dienstleistungen noch ziemlich genau definierbar. Werber konnten mit ihren Botschaften ganz einfach Bowling spielen: Eine Kugel aus dem Repertoire an Kanälen wählen, Zielgruppe anvisieren – Strike! Irgendein Pin flog immer um, wenn die Bowler den Sport nur richtig beherrschten. Heutzutage begegnen Werbefachleuten mittlerweile vor allem hybriden Verbrauchertypen. Mischformen aus Verbrauchern, die ihrem Produktgeschmack zwar oftmals treu zu bleiben scheinen, ihre Art und Weise des Konsums jedoch partiell in andere Richtungen verlagern – eine ruhige Kugel schieben geht also nicht mehr.

Der Kunde von heute erfährt nicht erst aus dem wöchentlichen Sonntagsprospekt, wenn Mobilfunkhersteller ihre Produktinnovationen auf den Markt gebracht haben. Dank der Möglichkeiten von Social Media und digitalem Marketing informieren sie sich Wochen, Monate und zum Teil sogar Jahre im Voraus, wann das neue Smartphone mit gebogenem Display in den Handel kommt. Fernab von dünnem recycelten Papier mit bunten Bildern in der Sonntagspost. In Zeiten von Shopping per Mausklick und Online-Targeting, das dem Nutzer anhand von gefilterten Web-Informationen die passenden Werbeanzeigen liefert, wird es für Marketingtreibende also zunehmend schwerer, nach dem herkömmlichen Sender-Empfänger-Modell zu arbeiten.

Konsumenten gestalten selbst

Dazu kommt die neue Gestaltungsmacht der Konsumenten, durch die sich die Verbraucher im Internet eigenständig die gewünschten Informationen über Produkte beschaffen. Eine Entwicklung, die dem Marketing somit eine ernstzunehmende Konkurrenz geworden ist. Umso wichtiger ist es also, geeignete Wege einzuschlagen, um Kunden bzw. Zielgruppen genau dort abzuholen, wo sie allem Anschein nach die größte Kaufbereitschaft zeigen – online und mobil. Hier ist somit Dynamik seitens der Marketingverantwortlichen in Unternehmen gefragt. Dynamik und Anpassungsbereitschaft, sich binnen kurzer Zeit im Denken, Beraten und kreativen Umsetzen immer wieder auf neue Trends einzustellen.

Selbst hochqualifizierte Marketingabteilungen in Unternehmen sind nicht selten mit der Geschwindigkeit der Trendentwicklungen überfordert. So ist es fast üblich geworden, dass sie speziell beim Thema „Neue Medien“ Werbeagenturen und externe Medienberater für die Kreation und Umsetzung von möglichst treffsicheren Werbeideen beauftragen.

Agenturleistung vs. Marketing-Flipper

Den Agenturen obliegt dann die besondere Aufgabe, dem Verbraucher eine Marke oder ein Produkt, wovon er eigentlich schon alles zu wissen denkt, von einer neuen Seite noch schmackhafter zu machen. Produkte so zu verkaufen, wie sie bisher noch nicht wahrgenommen wurden.

Die gesättigten, reizüberfluteten Märkte erfordern eine Art Marketing-Flipper, bei dem die Botschaften ständig hin- und her gespielt werden. Den Verantwortlichen verlangt diese Art der Kommunikation das Wollen und Können ab, trotz Hektik und zum Teil kurzfristigem Umdenken, Höchstleistung zu liefern. Eben weg vom einseitigen Kommunikationsmodell „Sender-Empfänger“ hin zu einer Response-Kommunikation, bei der die Kunden aktiv auf das Marketingangebot reagieren. Am besten nachvollziehbar sowie messbar anhand von Verkaufszahlen und ohne dabei die Kundenzufriedenheit aus dem Blick zu verlieren. Besonders großen Einfluss darauf haben vor allem soziale Netzwerke.

Marketing ähnelt dadurch nicht mehr traditionell einem Bowlingspiel, bei dem der Kauf eines Produkts nur das Resultat einer erfolgreichen Marketingstrategie ist. Durch Social-Media-Kanäle eröffnet sich ein Repertoire an quasi endlosen Berührungspunkten zwischen den Marketingmaßnahmen und den Kunden, die in der Regel zur eigenen Aktivität animiert werden. Nutzerkommentare, das Teilen von Beiträgen auf Plattformen wie Facebook & Co. sowie auch das Empfehlen von Produkten modifizieren die Spielregeln des traditionellen Marketings zu einem Flipper-Spiel mit Wirkung in alle Richtungen.

Auch wir bei ORIGO nutzen bereits erfolgreich die Flipper-Technik. Doch nicht nur, indem wir mit Facebook, Twitter und Xing in Social Media-Kanälen gut vernetzt sind. Vielmehr ist es unserem bunt gemixten Team aus den Bereichen Kontakt, klassischer Werbung, PR und Online zu verdanken, dass uns das Marketing-Flipper besonders gut gelingt.

Selbstverständlich setzen diese Funktionen und Ziele immer eine gewissenhafte Organisation, strukturierte Arbeitsweisen und die Zufriedenstellung der Auftraggebers sowie letztlich auch der Endverbraucher voraus. Mit Professionalität und besonders der Einstellung: sich selbst treu bleiben!


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